Fischereiverein Heilbronn e.V.

gegründet 1887

A n g e l n  -  E n t s p a n n e n  -  H e g e n  -  S c h ü t z e n  -  P f l e g e n

Kormoran unter Beschuss
von Bärbel Kistner

"Hier wird Artenschutz mit zweierlei Maß betrieben." Gewässerwart Marco Sander

Region Heilbronn - Seit Jahren wird heftig gestritten um den schwarzen Vogel. Für die eine Seite ist er ein Fischräuber, der im Neckar und seinen Nebenflüssen die Fischbestände dezimiert. Die andere Seite wehrt sich gegen die Art der Vergrämung, dem Kormoran durch Abschießen zu Leibe zu rücken.
Dass der Naturschutzbund (Nabu) den Kormoran 2010 zum Vogel des Jahres gekürt hat, ist in den Augen der Fischer "Polemik". Damit wolle man den Jägern ein schlechtes Gewissen machen, sagt Marco Sander, Gewässerwart beim Fischereiverein Heilbronn. Der Kormoran ist zwar nicht mehr im Bestand gefährdet, aber man wolle sich für dessen Schutz einsetzen und darauf aufmerksam machen, dass der Vogel geschossen und vertrieben wird, sagt Wolfgang Hellwig vom Nabu Heilbronn.
Abschuss - Bereits 2004 hatte das Land eine Verordnung erlassen, die den Abschuss des geschützten Vogels durch Jagdberechtigte erlaubt. Mit der Allgemeinverfügung des Landratsamts Heilbronn vom August 2009 ist die Vergrämung seither auch an weiten Teilen des Neckars, an Zaber, Sulm Leinbach und Schozach gestattet - fast überall bis Mitte März. Aktuelle Zahlen, wie viele Tiere geschossen wurden, gibt es deshalb erst im April. 2007/08 wurden dem Amt 24 Abschüsse gemeldet, im darauffolgenden Jahr waren es 64 erlegte Kormorane.
Vereinzelte Vergrämungsmaßnahmen - dort, wo wirtschaftlicher Schaden entsteht - kann Nabu-Mann Hellwig akzeptieren. Das flächendeckende Vorgehen wie im Landkreis jedoch lehnt er ab. Zumal es an unseren Flüssen ohnehin überwiegend Hobbyangler gäbe. Und deren Praxis, in Fischbestände durch Besatz einzugreifen, ist den Naturschützern ebenso ein Dorn im Auge.
Einbruch - Der Vorwurf der Gegenseite: "Hier wird Artenschutz mit zweierlei Maß betrieben", meint Gewässerwart Marco Sander. Die Vogelschützer ignorierten den Einbruch heimischer Fischbestände, die seit dem verstärkten Auftreten des Kormorans Mitte der 90er Jahre zu beobachten seien. "Wir wollen nicht dessen Ausrottung, aber eine Population, die die Gewässer vertragen." Sander pocht auf das Vergrämen, denn er befürchtet eine weitere Ausbreitung des Fischjägers.
Auch über die Zählweise ist man uneins. Im Vorjahr haben Nabu und Angler noch gemeinsam die Kormorane an den verschiedenen Schlafplätzen in der Region gezählt. Diesmal sind die Vogelschützer alleine losgezogen. 14 Schlafplätze wurden am vergangenen Wochenende kontrolliert, insgesamt 433 Kormorane hatten sich in den hohen Bäumen am Abend versammelt - 200 weniger als im Vorjahr.
Ob wegen der Witterung weniger Vögel ins Unterland gekommen sind oder ob bereits die Vergrämung wirkt, das lässt sich nach Ansicht Hellwigs nicht sagen. "Daraus einen Populationsrückgang abzuleiten, wäre zu spekulativ." Aber er geht davon aus, dass der Kormoran seine maximale Ausbreitung erreicht hat: "Für noch mehr Vögel gibt es bei uns nicht den Lebensraum."

(aus der Heilbronner Stimme  22.01.2010)


Fische fressende Vögel unter Beobachtung
von Heike Kinkopf

Kormoranzähler Adolf Monninger vom Naturschutzbund ist bei der Nachtigalleninsel in Lauffen auf dem Posten. Foto: Guido Sawatzki

Stadt- - und Landkreis Vor der Brust baumelt das Fernglas. Die Stiefel gefüttert, geschlossen die Jacken. Hermann Kurz und Wolfgang Hellwig suchen an der Jagst bei Duttenberg die Bäume nach Kormoranen ab. „Null“ tragen die Männer in ihre Liste ein. Kein Kormoran zu sehen. Der Vogel steht unter Schutz – und er frisst ausschließlich Fische. Anglern ist der schwarze Kormoran, dessen gespreizte Flügel eine Spannweite von bis zu 1,50 Metern erreichen, ein Dorn im Auge.
Gut und gerne 100 Fischer und Vogelschützer beteiligen sich an der gemeinsamen Kormoranzählung, die am Samstag zwischen 16.45 und 17.15 Uhr simultan an 43 gemeldeten Schlafplätzen in den Stadt- und Landkreisen Heilbronn, Ludwigsburg, Neckar-Odenwald, Hohenlohe und Schwäbisch Hall vonstatten geht. Der Obersulmer Hermann Kurz gehört zum Fischereiverein Neckarsulm, Wolfgang Hellwig engagiert sich im Naturschutzbund (Nabu) Heilbronn und Umgebung. „Die Fischbestände haben seit 1995 rapide abgenommen“, sagt Kurz, der seit Jahren an der Jagst die Rute auswirft. Die Zahl der Kormorane sei gestiegen.
Zahlen bezweifelt So sehen es auch Angler, die an diesem Abend einen Kormoran-Schlafplatz in Ruchsen beobachten. „Seit 1995 ist der Kormoran da, und die Fangbestände sind um 30 bis 40 Prozent zurückgegangen“, stimmen Thomas Schulz, Eberhard Thierl und Harald Geist überein. Vogelschützer bezweifeln das Ansteigen der Population. Sie führen eigene Bestandszählungen an. 405 Exemplare habe man zum Beispiel 1997 im Naturschutzgebiet Altneckar in Horkheim gezählt, argumentiert Hellwig, in den Folgejahren pendelte die Zahl zwischen null und 33 im Jahr 2006. Den Vogel zum Abschuss freigeben, fordert Rolf Grimm, Sprecher der Hegegemeinschaft Jagst: „Wir brauchen Möglichkeiten, regulierend mit Kormoranabschüssen einzugreifen.“ Der Schaden am Fischbestand auf der gesamten Flussstrecke der Hegegemeinschaft belaufe sich auf 60 000 Euro im vergangenen Jahr. Ein Schaden, der sich nicht ersetzen lasse. Den Kormoran abschießen? „Das verstößt gegen geltendes Recht“, erteilt Wolfgang Hellwig dem Ansinnen eine entschiedene Absage. „Wir werden nicht zustimmen, dass man das Recht aushebelt.“
Dem Tier gleich den Garaus machen möchten längst nicht alle Angler. „Es geht uns nicht darum, den Kormoran auszurotten“, sagt Hermann Kurz. Sie setzen auf die Vergrämung des ungeliebten Federviehs. Vergrämung heißt so viel wie ihn verprellen, etwa mit Knallgeräuschen, oder ein Exemplar schießen, um andere abzuschrecken. „Er gefährdet unsere Fischbestände“, sagen die drei Angler in Ruchsen. Das Thema werde von der Politik „verschleppt“. Der Kormoran fresse auch Fische, die auf der Roten Liste stehen. Die Hegegemeinschaft Jagst zählt – quasi in Eigenregie – tagsüber um 14 Uhr. „Neun Kormorane waren es heute Mittag“, erzählen Thierl und Geist in Ruchsen. Jetzt am Abend vermelden die Fischer: kein einziger.
Basis schaffen „Eine Tageszählung wäre besser“, meint Rolf Grimm. Die Erfassung der Tiere an ihren Schlafplätzen verteidigt Wolfgang Hellwig. Die hoch mobilen Kormorane legen am Tag „locker und leicht 25 Kilometer zurück“. Die Erhebung an den Schlafplätzen vermeide Doppelzählungen.
„Belastbare Zahlen“ verspricht sich Uwe Genzwürker vom Landratsamt Heilbronn von der Aktion. Sie sollen – so wie am runden Tisch von den Beteiligten beschlossen – die Basis für weitere Gespräche bilden. Gezählt wird noch zwei weitere Male, am 26. Januar und 9. Februar.

(aus der Heilbronner Stimme  14.01.2008)


Weißt du, wie viel Kormorane ziehen?
von Manfred Dod

Prachtvoll anzuschauen ist er, der Kormoran. Bei den Fischern ist er allerdings nicht besonders beliebt – auch nicht an Jagst und Kocher. Foto: privat

Neudenau - Er ist längst aktenkundig und an den grünen Tischen Gegenstand von Beratungen geworden: Der schwarz gefiederte Kormoran, ein in unseren Breitengraden heimisch gewordener Wasservogel. Vertreibung oder Festhalten an den geltenden Schutzbestimmungen? Das ist die Frage, welche die Fischer auf der einen Seite und die Umweltschützer auf der anderen zunehmend beschäftigt.
Scheu vor Mann und Motor Man will im neuen Jahr die Sache „amtlicherseits“ in den Griff bekommen. Dazu ist erst einmal eines wichtig: Die gemeinsame Zählung des Kormoranbestandes an Neckar, Jagst und Kocher, die das Landratsamt 2008 in Angriff nehmen will.
Dies ist keine leichte Aufgabe, da die Kormorane ob ihrer Scheu vor Mensch und Motor sich nur in abgelegenen und ruhigen Flussgebieten aufhalten. Nachts ruhen sie dort auf so genannten Schlafbäumen. Vor Einbruch der Dunkelheit sitzen sie in Gruppen auf den im Winter kahlen Zweigen. Im Gegenlicht der untergehenden Sonne bietet sich ein stimmungsvoll-bizarres Bild von seltener Schönheit.
Selbst dann, wenn sich ihnen ein Wanderer auf leisen Sohlen nähert, sind Kormorane aufgrund ihres Scharfblickes dem Beobachter eine Schnabellänge voraus. Wird etwa das Objektiv eines Fotoapparates auf sie gerichtet, entschwinden sie aus ihren Ruhepositionen auf den entlang der Ufer stehenden hohen Pappeln, um nach einigen Umkreisungen über den Höhenrücken ins benachbarte Flusstal zu wechseln. Zu bewundern sind dabei die eleganten Flugkünste. Dieses naturnahe Schauspiel ist zu jeder Tageszeit zu beobachten.
Unbeliebt bei Fischern Umstritten ist der majestätische Vogel mit dem beträchtlichen Appetit auf Fische bei den Anglern. Sehen sie ihn deshalb gleich als Plage? Die an einen erfahrenen Fischer gerichtete Frage erwidert dieser mit folgender Rechnung: „Der Vogel frisst täglich 350 Gramm Fische, das ergibt im Jahr rund 128 Kilogramm pro Kormoran. Hochgerechnet auf eine realistische zweistellige Anzahlen von Tieren ergibt eine Menge von jährlich mehreren Tonnen an Fischen. „Jetzt kommst du!“, sagt der Fischer, dem sich die Sorgenfalten ins Gesicht legen.

(aus der Heilbronner Stimme  02.01.2008)


Am hungrigen Kormoran scheiden sich weiter die Geister
von Manfred Dod

Der Kormoran beschäftigt Fischer und Naturschützer. Foto: Manfred Dod

Kocher - und Jagsttal Um kaum einen anderen Vogel in der Welt scheint es augenblicklich so viel Wirbel zu geben, wie um den Fische vertilgenden Ruderfüßer Kormoran. Das Internet hat etwa 148 000 Ergebnisse weltweit auf Lager. Ob Plage oder Artenschutz, die Meinungen prallen aufeinander. Auch an Kocher und Jagst scheiden sich die Geister. Die Fischer drängen auf Änderung der geltenden Bestimmungen, die das gefiederte Tier bislang schützen.
Der Siglinger Diplom-Biologe Dr. Berthold Kappus sowie der Sprecher der Hegegemeinschaft Fische an der Jagst, Rolf Grimm, Möckmühl, wollen mit dem Naturschutzbund den so genannten Winterbestand zählen. Das zu erarbeitende Zahlengewerk soll, so die Fischer, der Dringlichkeit der Anträge Gewicht geben.
Seitens der zuständigen Stelle des Landratsamtes Heilbronn referierte Michael Kretzschmar auf dem Behördentag in Züttlingen. „Eine Vergrämung des Kormorans durch Abschüsse einzelner Tiere hat durch den entstehenden Schall auch Auswirkungen auf andere Tierarten“, sagte Kretschmar. Daher habe man bisher die Vergrämung des Kormorans noch nicht in die Konzeption des Pflege- und Entwicklungsplanes (PEPL) aufgenommen.
Im Jagstbereich zwischen Möckmühl und Neudenau haben einigen Augenzeugen über beobachtete Kormoranen berichtet. Ein Bewohner der Jagststraße in Siglingen: „Auf einmal wurde es dunkel im Zimmer, als eine Schar Kormorane über der Jagst dahinflog.“ Kormorane, die meist in Gruppen auf ihren Beutezügen an den Flüssen unterwegs sind, wurden auch im Bereich der Fischwassergrenze zwischen Züttlingen und Siglingen mehrfach gesichtet. Die allerneueste Meldung stammt vom Montag: „Zwischen Züttlingen und Möckmühl sitzen zirka ein Dutzend Kormorane auf einer Pappel am Jagstufer“, berichtete ein Autofahrer.

(aus der Heilbronner Stimme  15.11.2007)


Fischer ärgern sich gewaltig über Kormorane
von Manfred Dod

Räuberischer Vogel sorgt für schrumpfende Bestände an der Jagst: Neudenau - Des Fischers Dorn im Auge ist seit Jahren der Kormoran. Der etwa 90 Zentimeter große pelikanartige Vogel, der sich gegenwärtig von nördlichen Gefilden nach Süden ausbreitet, dezimiert den Fischbestand spürbar. Bei der Jahreshauptversammlung des Fischereivereins Siglingen wurde die Situation an der Jagst jetzt angesprochen und zum Teil heftig diskutiert. Rolf Grimm, Sprecher der Hegegemeinschaft Jagst, berichtete, dass er dieser Tage bis zu 32 Tiere beobachtet hatte, die sich an der Jagst zwischen Züttlingen und Siglingen am späten Abend auf einem Schlafbaum nahe Schloss Assumstadt aufhielten. Ein Kormoran, so Grimm, nehme täglich rund 500 Gramm Fische zu sich. Hinzu kommen Fische, die bei der Nahrungsaufnahme verletzt werden. Hoher Bestand Nach Einschätzung der Experten sei gegenwärtig wieder ein Besorgnis erregend hoher Bestand von mehreren hundert Vögeln an den Gewässern im mittleren Neckar vorzufinden, die auf ihren täglichen Exkursionen bis zu 50 Kilometer zurücklegen. Das Landratsamt Heilbronn verweist auf die Rechtslage, wonach für die Fischerei in der Jagst keine Vergrämungsgenehmigung für Kormorane vorliege. Im Sinne des EU-Vogelschutzgebiets, das eine Bejagung des Kormoran gesetzlich verbietet, gebe es augenblicklich keine Veranlassung, an der derzeitigen Situation etwas zu verändern. Wiederaufbau Auf der anderen Seite sind Fischer gesetzlich verpflichtet, die Gewässer intensiv zu hegen und zu pflegen. Zudem werden jährlich erhebliche Investitionen für den Fischbesatz getätigt, unter anderem für den Wiederaufbau der Bestände der Nase. Noch vor Jahren galt das Vorkommen des Kormorans in West- und Süddeutschland als Seltenheit. Heute wird der Bestand europaweit auf rund zwei Millionen Vögel geschätzt. Eine Gefährdung der Art ist nach Aussage von Dr. Berthold Kappus auszuschließen. Die Kormorane ziehen in den Wintermonaten von Nord- nach Südeuropa. Sie treten Anfang Oktober erstmals im mittleren Neckarraum Raum auf. Bis zu 400 Tieren wurden im vergangenen Jahre auf den Schlafbäumen am Neckar bei Gundelsheim beobachtet. Von dort aus suchen sie vor allem die Jagst zur Jagd auf Fische auf. Aber auch auf den Schlafbäumen der unteren Jagst selbst sind schon über mehrere Wochen rund 60 bis 80 Tiere gezählt worden. Nahrungskonkurrent Da die Jagst einen überregional bedeutsamen Anteil an bundes- und landesweit seltenen und gefährdeten Fischarten aufweist, ist mittlerweile von einer Bedrohung für die heimischen Fischbestände durch den Kormoran auszugehen, so Kappus. Die hohen Kormoranbestände beeinträchtigen die Fischerei. Der Verband für Fischerei und Gewässerschutz in Baden-Württemberg ist in dieser Sache gegenwärtig bei der zuständigen oberen Naturschutzbehörde des Regierungspräsidium vorstellig. Laut Naturschutzbund (Nabu) gehört der Kormoran zu jenen Vogelarten, die als „Nahrungskonkurrenten“ von den Menschen verfolgt würden.

(aus der Heilbronner Stimme  14.02.2007)


Kormorane bleiben auf der Abschussliste
Von Alexander Hettich

Jäger werden weiterhin Kormorane an Kocher und Ohrn ins Visier nehmen, das Landratsamt hat eine entsprechende Verfügung auf unbestimmte Zeit verlängert. Naturschützer sind empört, Anglern geht die Regelung nicht weit genug. Sie wollen den Zugvögeln auch im Jagsttal an die Federn. Alle Jahre im Herbst ziehen große Kormoran-Schwärme von ihren Brutplätzen in Skandinavien oder Osteuropa gen Süden in wärmere Gefilde. Auch in Hohenlohe fühlen sich die so genannten Meerraben mit ihrem schwarzen Federkleid seit einiger Zeit wohl. Deutlich zu wohl, findet nicht nur Hansjörg Weidmann. "Die Vögel bringen die ausgewogene Fischpopulation durcheinander", ist der Experte von der Naturschutzbehörde im Landratsamt überzeugt. Das Problem: Kormorane sind prächtige Jäger, gehen in den Flüssen auf Tauchgang und verputzen fast jeden Fisch, der ihnen vor den Schnabel kommt. "Die Bestände an Barbe und Rotauge sind schon stark zurückgegangen", klagt Kurt Metzger vom Hohenloher Fischereiverein Künzelsau. Auch seltene Mühlkoppen, Bitterlinge oder Schmerlen stünden auf dem Speiseplan der Wasservögel, schimpft der passionierte Angler, der die Neuauflage der so genannten Kormoran-Verordnung des Landes "ausdrücklich begrüßt". Das Landratsamt Hohenlohekreis hat die allgemeinen Vorgaben aus Stuttgart in eine konkrete Verfügung gegossen. Was zunächst bis 2004 befristet war, gilt demnach jetzt für unbestimmte Zeit: Zwischen September und März dürfen Jäger am Kocher sowie an der Ohrn zwischen Öhringen-Cappel und der Mündung in den Kocher Kormorane abschießen. Etwa 40 der Zugvögel, die zu hunderten an Hohenloher Flüssen überwintern, haben die Grünröcke zuletzt pro Jahr vom Himmel geholt. "Wir wollen die Kormorane nicht ausrotten", betont der Leiter des Hegerings Künzelsau, Herbert Lederer, der mit seinen Jagdkollegen zwischen Kocherstetten und Weißbach auf die Pirsch geht. Bei der Vergrämungsjagd, so der Fachausdruck, gehe es vielmehr darum, die cleveren Vögel durch Abschuss einiger weniger Artgenossen zu verschrecken und an größere Flüsse zu lotsen, wo sie weniger Schaden anrichten können. Angler Kurt Metzger will die Jäger am liebsten auch im Jagsttal zu Hilfe rufen, ein Vogelschutzgebiet, das von der neuen Verfügung nicht betroffen ist. "Wir werden eine Ausnahmegenehmigung beim Regierungspräsidium beantragen." Dass die Kormorane in Hohenlohe schlechte Karten haben, bringt Harro Häußler auf die Palme. Der Umweltschützer von der Ortsgruppe Öhringen des Naturschutzbunds (NABU) sieht "keine gewichtigen Gründe", den Wintergästen zu Leibe zu rücken. Dass die Vögel das Öko-Gleichgewicht stören, sei "eine pauschale, nicht nachgewiesene Behauptung", der Abschuss mithin "völlig unnötig". Keineswegs für unnötig, aber für lästig halten Herbert Lederer und viele seiner Kollegen die Kormoran-Jagd: "Das ist eine zusätzliche Aufgabe, die wir im Sinne des Naturschutzes erfüllen." Nutzen hätten die Jäger keinen von ihrer gefiederten Beute: Die Meerraben sind scheu, schwer zu schießen, "und absolut ungenießbar".

(aus der Heilbronner Stimme  02.10.2004)


Verordnung der Landesregierung zur Abwendung erheblicher fischereiwirtschaftlicher Schäden durch Kormorane sowie zum Schutz der heimischen Tierwelt (Kormoranverordnung)

Vom 4. Mai 2004 

Auf Grund von § 43 Abs. 8 Satz 1 Nr. 1 und 2 und Satz 4 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) vom 25. März 2002 (BGBl. I S. 1193) wird verordnet:

§ 1 

(1) Zur Abwendung erheblicher fischereiwirtschaftlicher Schäden sowie zum Schutz der heimischen Tierwelt wird abweichend von § 42 Abs. 1 BNatSchG Jagdausübungsberechtigten und mit deren Erlaubnis Inhabern von Jagderlaubnisscheinen gestattet auf den gemäß § 2 festgesetzten Gewässern oder Gewässerstrecken und in einem Abstand von bis zu 100 Metern Kormorane (Phalacrocorax carbo sinensis) vom 16. September bis zum 15. März zu töten. Sie dürfen abweichend von § 42 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 BNatSchG getötete Tiere in Besitz nehmen und sich aneignen. Die Vermarktungs- und Verkehrsverbote nach § 42 Abs. 2 Nr. 2 BNatSchG bleiben unberührt. Verboten bleibt der Abschuss in der Zeit nach Sonnenuntergang bis eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang.

(2) Unberührt bleiben die Bestimmungen über verbotene Fangmethoden, Verfahren und Geräte (§ 13 der Bundesartenschutzverordnung vom 14. Oktober 1999 (BGBl. I S. 1955) in der jeweils geltenden Fassung) und über die Entnahme von Entwicklungsformen oder das Beschädigen oder Zerstören von Nist- und Brutstätten (§ 42 Abs. 1 Nr. 1 BNatSchG).

(3) Die für eine weidgerechte Jagdausübung maßgeblichen jagdrechtlichen Bestimmungen sind entsprechend anzuwenden.

(4) Die Anzahl der erlegten Kormorane, Erlegungsdatum und Gewässer oder Gewässerstrecke sind der unteren Verwaltungsbehörde bis spätestens 15. April auf dem Einlegeblatt zur jagdlichen Streckenliste (§ 27 Abs. 6 des Landesjagdgesetzes) mitzuteilen.

(5) Die untere Verwaltungsbehörde kann die Befugnis nach Absatz 1 entziehen, wenn von ihr in missbräuchlicher Weise Gebrauch gemacht wird.

§ 2

(1) Die untere Verwaltungsbehörde kann Gewässer oder Gewässerstrecken festsetzen, an denen das Töten von Kormoranen zur Abwendung drohender erheblicher fischereiwirtschaftlicher Schäden oder zum Schutz der heimischen Tierwelt erforderlich ist.

(2) Die untere Verwaltungsbehörde kann den in § 1 Abs. 1 Satz 1 genannten Zeitraum im Einzelfall verkürzen.

(3) Die Einstufung als Gewässer oder als Gewässerstrecke im Sinne von Absatz 1 kommt nicht in Betracht, wenn weniger schädigende Maßnahmen ausreichen, um drohende erhebliche fischereiwirtschaftliche Schäden zu vermeiden oder die heimische Tierwelt zu schützen. Maßnahmen nach Satz 1 sind insbesondere das Verscheuchen mit Mitteln, die Kormorane nicht verletzen, oder das Oberspannen von dafür geeigneten teichwirtschaftlichen Anlagen.

(4) Absätze 1 und 2 gelten nicht für befriedete Bezirke, Naturschutzgebiete, Naturdenkmale, Gebiete nach der Richtlinie 79/409/EWG des Rates vom 2. April 1979 über die Erhaltung der wildlebenden Vogelarten (ABI. EG Nr. L 103 S. 1) in der jeweils geltenden Fassung, die gemäß § 10 Abs. 6 Nr. 1 BNatSchG im Bundesanzeiger bekannt gegeben worden sind, und für Bereiche, in denen eine Beeinträchtigung empfindlicher Biotope oder gefährdeter Arten zu erwarten ist.

(5) Die Befugnis der zuständigen Naturschutzbehörde, weitere Ausnahmen nach § 43 Abs. 8 Satz 1 BNatSchG zuzulassen oder Befreiungen nach § 62 Abs. 1 BNatSchG zu erteilen, bleibt unberührt.

§ 3

Diese Verordnung tritt am Tag nach ihrer Verkündung in Kraft.

Stuttgart, den 4. Mai 2004
Die Regierung des Landes Baden-Württemberg:
TEUFEL, DR. DÖRING, DR.SCHAVAN, PROF. DR. FRANKENBERG, STRATTHAUS, STÄCHELE, DR. REPNIK, MÜLLER, KÖBERLE

(Veröffentlicht im Gesetzblatt für Baden-Württemberg am 17.5.2004)


Leserbrief zum Thema "Der Kormoran gehört zum Artenspektrum" - Artenschutz?
Thomas Schulz, Vorsitzender des Fischereivereins Ruchsen, Elztal

Man kann nicht verstehen, warum man eine einzelne Vogelart, die bis vor kurzen noch nicht bei uns heimisch war, versucht, dringend bei uns schützen zu müssen und über den Schutz der heimischen Fische stellt. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Kormorane, wenn sie in die Gewässer einfallen, einen sehr großen, wenn nicht sogar irreparablen Schaden hinterlassen. Warum wurden in vergangenen Jahren die Ochsenfrösche geschützt, die nun auch heimisch sind, da sie sich in unseren Gefilden vermehren, und nun unsere schon jeher heimischen Salamander und Frösche im Bestand dezimieren? Ist dies das gewünschte Resultat von falsch verstandenem Artenschutz? Muss sich denn erst der Kormoran mit großen Kolonien, die dann ganze Baumbestände durch ihren aggressiven Kot zerstören, bei uns niederlassen, damit wir schließlich zu der Erkenntnis kommen, dass die Fische in der Jagst durch den ansteigenden Fraßdruck keine Zukunft mehr haben und ganze Generationen von Elterntieren und auch Jungfische nach dem Einfall fehlen? Was ist mit den Bisamratten? Sollte man diese auch noch schützen? Wir haben festgestellt, dass durch die Bekämpfung der Bisamratten an der Jagst auch die Bestände von Schilf, Röhricht und der Teichrosen wieder zugenommen haben, die für verschiedene Fischarten auch einen idealen Aufenthaltsort und Laichgebiete darstellen. Auch andere Tierarten wie Teichhühner können die Blätter nach Fressbarem abweiden. Die Bestände des Kormorans sollten dringend in für die Natur und deren Bewohner verträgliche Bahnen gelenkt werden.

(aus der Heilbronner Stimme 31.03.2004)


Besserwisserei und Ignoranz an Fischgewässern
Hartmut Frey, Pfedelbach; Wolfgang Graef Öhringen; Harro Häußler, Öhringe

Im Streit um die Kormorane an Fischgewässern (HZ vom 16. März) meldet sich der Naturschutzbund Öhringen zu Wort.

Naturschützer und Fischer streiten um den Kormoran. (Foto: dpa)

Vor längerer Zeit waren es Graureiher und Eisvogel, die den Anglern die Fische weggefangen haben. Nun ist es der Kormoran. Uns, den Natur- und Vogelschützern des Naturschutzbundes Öhringen, begegnet wieder dieselbe Besserwisserei und Ignoranz von damals. Wir sind es langsam leid, noch darauf zu hören. Vielleicht aber ist es möglich, uns die 20 Kormoran-Brutpaare im Kochertal zu zeigen, die im Bericht erwähnt werden. Dann würden wir uns überzeugen lassen. Doch unseres Wissens hat es bei uns und in der weiteren Umgebung noch nie eine einzige Kormoran-Brut gegeben. Außerdem würden wir gerne wissen, warum Kormorane eigentlich nicht hierher gehören. Sie sind ohne Zutun des Menschen gekommen und seit vielen Jahren Wintergäste im Kocher- und Jagsttal.

(aus der Heilbronner Stimme 27.03.2004)


Leserbrief zum Thema "Kormoran" - Ein Fischerei-Recht
Adolf G. Waldvogel, Bad Friedrichshall

Das Fischereirecht ist in der Regel ein im Grundbuch eingetragenes grundstücksgleiches Recht, das den Fischwassereigentümer berechtigt, sein Wasser ertragreich zu bewirtschaften und den Ertrag abzufischen. Als privatrechtliches vermögenswertes Aneignungsrecht untersteht es dem Grundgesetzes. Kleingärtner, Land- und Forstwirte führen, sobald Schädlinge den Ertrag dezimieren, entsprechende Bekämpfungsmaßnahmen durch, und zwar bevor die Ernte vernichtet ist. Diese Möglichkeit muss auch den Fischereirechte-Inhabern zugestanden werden. Durch Vergrämungsaktionen allein lässt sich der Kormoranbestand nicht mehr regeln. Wer hat für die vom Kormoran angerichteten Schäden aufzukommen, wenn eine wirkungsvolle Bekämpfung verwehrt wird? Viele Fischereivereine haben in den vergangenen Jahren regelmäßig Geld für den Erhalt bedrohter Fischarten aufgebracht. Es kann doch nicht sein, dass diese eingebrachten Fische hernach wieder durch die viel zu große Kormoranpopulation aufgefressen werden. Der Kormoran braucht dafür, dass er nicht ausgerottet wird, keine besonderen Schutzmaßnahmen. Da er nicht zum Verzehr geeignet ist, wird nie eine ihn ausrottende Bejagung stattfinden. Die Wildente, die ein jagdbares Tier ist und gegessen wird, ist zahlreich anzutreffen. Wir Fischer wollen den Kormoran nicht ausrotten. Es ist aber unser Recht, dafür zu sorgen, dass der vorhandene Fischbestand, den man als wertvollen Schatz bezeichnen kann, nicht brutal dezimiert wird. Gegen einzelne Kormorane ist überhaupt nichts einzuwenden.

(aus der Heilbronner Stimme 16.03.2004)


Lesebrief zum Thema "Der Kormoran gehört zum Artenspektrum"  - Sündenbock Vogel
Horst Schulz, NABU Kreisvorsitzender, Bad Friedrichshall

Der Kormoran ist nach europäischem Recht geschützt. In Ausnahmefällen darf er in der Zeit vom 1. Oktober bis 15. März geschossen werden, weil er angeblich der Fischerei und der Tierwelt schadet. Nachdem seit 1996 jährlich mindestens ein Zehntel des Bestandes getötet wurde, kann von Ausnahmefällen nicht mehr gesprochen werden. Das Ziel der "Kormoran-Verordnung", die Situation der Fische zu verbessern, ist nicht erreicht worden, da die meisten gefährdeten Fischarten als Beute für den Kormoran zu klein sind. Der Abschuss war also sinnlos. Warum fordert der Fischereiverband nicht konsequenterweise auch gleichzeitig den Abschuss und die Bekämpfung von Fischotter, Eisvogel und Hecht? Der Kormoran ist kein ökologisches, sondern ein psychologisches Problem. Es wird eben nicht nur geangelt, sondern die Fischbestände werden durch den ständigen Besatz vor allem von Raubfischen wie Regenbogenforelle und Zander massiv manipuliert. Die Prüfung, ob das Gewässer dazu geeignet ist, bleibt häufig außen vor. Die millionenfach ausgesetzten Raubfische fressen ein Vielfaches dessen, was ein Kormoran erbeutet. Der kleine Brutbestand im Land könnte durch die Realisierung der Forderungen nach einer neuen Kormoran-Verordnung rasch wieder ausgelöscht werden. Alle Brutkolonien liegen übrigens in Naturschutzgebieten. Hier würden Abschüsse zusätzlich Stress für Säugetiere und andere gefährdete Vogelarten bringen und das Schutzgebietsprogramm ad absurdum führen. Die friedliche Koexistenz von Fischen, Kormoranen und Anglern ist gefragt. Die wirklichen Probleme sollten gemeinsam von Anglern und Naturschützern angegangen werden, anstatt einen Vogel zum Sündenbock zu stempeln, denn er gehört zum Artenspektrum am Gewässer dazu. Der NABU fordert deshalb: Keine neue Abschussverordnung gegen den Kormoran.

(aus der Heilbronner Stimme 05.03.2004)


Mit akzeptablem Kompromiss tun sich beide Seiten schwer
Von Anja Kemmler

Ein Vogel wird zum Streitfall. Wenn es nach den Anglern geht, sollte der Fisch fressende Kormoran stärker als bisher bekämpft werden. Ein Abschuss überall und das ganze Jahr über ist dagegen für Vogelschützer undenkbar. Die Heilbronner Stimme hat zwei Fachleute zum Streitgespräch an einen Tisch geholt.

Der Kormoran frisst Fische - und zieht sich damit den Unmut der Angler zu. Vogelschützer wollen ihn vor dem generellen Abschuss bewahren. (Foto: Archiv)

STREITGESPRÄCH
Am 15. Mai läuft die geltende Kormoran-Verordnung aus, die den Fischern ermöglicht, den Vogel in bestimmten Gebieten zwischen 1. Oktober und 15. März in so genannten Vergrämungsaktionen abschießen zu lassen. Wie die neue Verordnung, deren Umsetzung Sache der Landratsämter ist, aussehen soll - dazu dürfen sowohl Fischer als auch Vogelschützer eine Stellungnahme abgeben.

Ihre Ansichten prallen hart aufeinander - auch beim Streitgespräch unserer Zeitung unter der Leitung von Redakteur Reto Bosch. Die Belange der Angler vertritt Wolfgang Sitter (links im Bild), Bereichsleiter Unterland/Hohenlohe des Landesverbandes für Fischerei und Gewässerschutz. Auf der anderen Seite steht Wolfgang Hellwig (rechts im Bild), Vize-Chef des Naturschutzbundes (Nabu) Heilbronn und zuständig für den Kormoran.

Fischer und Vogelschützer sind sich uneinig: Wie viele Kormorane gibt es im Unterland?
Sitter: Der Vertreter der Fischer geht von einem Bestand von 100 Vögeln im Bereich Unterland/Hohenlohe aus. "Unsere Zählungen sind Schlafplatzzählungen. Das Problem ist, dass der Kormoran eine Flugweite von rund 50 Kilometern hat. Deshalb sind konkrete Zahlen schwer zu nennen." In Lauffen seien bisweilen bei der Nahrungsaufnahme bis zu 150 Tiere gezählt worden - solche Zahlen bereiten den Fischern Bauchschmerzen. Insgesamt gesehen würden Fischer und Vogelschützer mit den Zahlen "gar nicht so weit auseinander" liegen.

Hellwig: Der Nabu-Vertreter sagt: "Durch die Zahlen der Fischer entsteht ein verfälschtes Bild." Zwar könne es vorkommen, dass der Kormoran irgendwo geballt auftauche. "Nur: Dann ist er ja nicht woanders und frisst dort auch keinen Fisch." Bei separaten Zählungen von Fischern und Vogelschützern seien die Zahlen auseinander gegangen, weil die Fischer einen Bereich mitgezählt hätten, der nicht zum Landkreis Heilbronn gehöre.

Welche Schäden richtet der Kormoran an?
Hellwig: Seit fünf Jahren warte der Nabu auf eine Vorlage der Fischer mit Zahlen über Schäden - vergebens. Grundsätzlich sei der Kormoran nicht das "allein reglementierende Element im Gewässer". Hellwigs Vorwurf: Es sei leichtfertig von den Fischern, "Fischarten in strukturarme Gewässer einzusetzen, die nicht dafür geeignet sind". So gesehen sei das Ganze "ein hausgemachtes Problem der Fischer".

Sitter: "Wenn irgendwo 60 Tiere einfallen, fressen die alles, was ihnen vor den Schnabel kommt", klagt Sitter. Also auch seltene Fische. Die Folge laut Sitter: Eine Reduzierung der Arten. 100 Kormorane würden pro Tag insgesamt 75 Kilo Fisch töten. "Fische sind ein Bestandteil der Natur, die zu erhalten wir verpflichtet sind. Naturschutz ist nicht nur Schutz des Kormorans." Auf den Vorwurf Hellwigs kontert er: "Wir setzen nur die Fische ein, die in ein bestimmtes Gewässer gehören."

Wie sind die bisherigen Erfahrungen mit Vergrämungsaktionen?
Sitter: In der Vergangenheit seien im Landkreis höchstens vier bis acht Kormorane pro Jahr abgeschossen worden. "Die bisherigen Aktionen haben global gesehen nichts gebracht", bekennt Sitter. Die Fischfresser seien nur verscheucht worden. Dennoch sei es sinnvoll, "im Interesse des gesamten Naturschutzes etwas zu tun, wenn irgendwo 200, 300 Tiere sitzen, ihre Streifzüge machen und das Gewässer schädigen".

Hellwig: Für den Nabu stehe eindeutig fest: "Vergrämungsaktionen bringen nichts." Durch den Abschuss des Kormorans würden keine Probleme gelöst.

Was fordern Fischer und Vogelschützer für die Zukunft?
Sitter: Der Fischer-Experte fordert, dass Vergrämungsaktionen unter fachlicher Begleitung ganzjährig möglich sein sollen - auch in ausgewiesenen Schutzgebieten. Konkrete Abschusszahlen will er nicht nennen. "Wir wollen den Kormoran ja nicht ausrotten." Er spricht sich für ein "Kormoran-Management" und einen runden Tisch aus, zu dem übergeordnete Fachstellen ihren Beitrag leisten sollen.

Hellwig: Einen Persilschein werde es für die Fischer nicht geben, sagt Hellwig. "Wir stimmen nicht zu, dass der Kormoran abgeschossen wird, wo immer er auftaucht." Notfalls werde der Nabu den Klageweg beschreiten. Der Kormoran brauche einen Mindestschutz, genauso wie andere Zugvögel, die in Schutzgebieten rasten. "Wir wollen diese Vögel nicht stören."

Welche Kompromissvorschläge gibt es?
Sitter: Der Fachmann sagt: "Wir brauchen erst die Verordnung, dann können wir reden." Theoretisch seien so genannte Totholzburgen im Wasser als Rückzugsgebiet für Fische eine "ganz tolle Sache". Nur: Nicht überall könne man sie errichten. Im Neckar zum Beispiel seien sie eine Gefahr. "Die Behörden würden widersprechen." Und: "Ein Lösungsansatz für die Massen ist es nicht."

Hellwig: Der Vogelschützer plädiert für eine Verbesserung der Gewässer. "Sie sind so auszustatten, dass Fische und Kormorane die gleiche Chance haben. Solange wir einseitig eingreifen, lösen wir das Problem nicht." Wichtig sei, dass die EU-Wasserrichtlinien umgesetzt würden, die etwa naturnahe Ufer vorsehen. Er persönlich könne mit der noch bestehenden Regelung auch künftig leben, vorausgesetzt, die Abschusszahlen bleiben so niedrig. Zu Kompromissen ist Hellwig also bereit. Allerdings könnten die nicht gefunden werden, wenn die örtlichen Fischer ihre Meinung nicht konkret sagen und stattdessen auf externe Fachleute setzen.

(aus der Heilbronner Stimme 05.03.2004)


Die Verluste für die Natur beklagt
von Helmut Buchholz

Landtagsabgeordneter Reinhold Gall (links) diskutierte mit dem Vorsitzenden der Hegegemeinschaft Jagst, Rolf Grimm, und Jagstfischern. Über 400 Unterschriften sammelten die Jagstfischer für eine neue Kormoranverordnung.

Knapp 50 Fischer und Zuhörer waren bei der Rede des Vorsitzenden der Hegegemeinschaft, Rolf Grimm, anwesend. Grimm beklagte die Verluste für die Natur, das Wasser und natürlich auch für die Fischer, für die der gefräßige Kormoran verantwortlich sei. Die Tiere, schafften es an der Jagst, die heimischen Fischbestände an manchen Gewässerstrecken innerhalb weniger Jahre um bis zu 80 Prozent zu dezimieren.

Landtagsabgeordneter Reinhold Gall machte sich für die Fischer stark: "Das Problem ist nicht erst seit heute bekannt. Ich sehe auch Handlungsbedarf." Widderns Bürgermeister Michael Reinert war als Vertreter des Fischwasserbesitzers da. Reinert erklärte, die Stadt Widdern setze jedes Jahr für viel Geld Fische in die Jagst ein, und er müsse zusehen, wie Vogelschwärme alle wieder fressen.

Reinhold Gall erläuterte, dass die SPD-Landesfraktion in der nächsten Fraktionssitzung das Thema diskutieren werde. Allerdings, so Gall: "Unterschiedliche Auffassungen prallen in einer Intensität aufeinander, dass es schwierig wird, einen Weg zu finden." Anlass des Info-Standes, in dem über 400 Unterschriften gegen zu strengen Schutz des Kormorans gesammelt wurden, ist das Auslaufen der Kormoranverordnung im Mai. Rolf Grimm kritisierte auch das Landratsamt Heilbronn, das das Vergrämen der Vögel in einem kleineren Zeitraum zulasse wie die Hohenloher. Nun kämen die Kormorane aus dem Nachbarkreis und fielen über die Jagst zwischen Jagsthausen und der Mündung her.

(aus der Heilbronner Stimme 10.02.2004)


Lesebrief zum Thema "Auf Kriegsfuß mit dem gefiederten Vielfraß"

Großer Aderlass - Auf Grund der zum Zeitpunkt der Erstellung des Artikels zugrunde liegenden Zahlen könnte fälschlicherweise der Eindruck entstehen, dass die Kormoranpopulation am Kocher rückläufig ist. Zu diesem Zeitpunkt war die Population wegen der relativ milden Witterung gegenüber dem Vorjahr niedriger. Mittlerweile ist die Zahl der Kormorane aber auf 180 bis 200 Tiere allein hier am Kocher angestiegen. Dies bedeutet einen täglichen Futterbedarf von etwa 100 Kilo Fisch. Fische, die durch Verletzungen durch den Kormoran verenden, nicht miteingerechnet. Dies ist ein Aderlass, den das Flusshabitat Kocher auf die Dauer nicht verkraften kann. Die Situation am Jagst und Neckar ist vergleichbar. Natur und Gewässerschutz darf aber nicht an der Wasseroberfläche enden. Darum fordern wir, dass bei der Neuregelung der Kormoranverordnung im Mai 2004 auf diese Tatsachen eingegangen wird. Dies sind wir dem Erhalt unserer Tierwelt, zu dem auch das Kulturgut Fisch zählt, schuldig.

Wilfried Hirschläger, Hardthausen, Sprecher Fischereiliche Hegegemeinschaft Kocher

Schuld sind wir - In diesem Leserbrief soll es nicht darum gehen, dass wieder einmal in törichter Weise "schädliche. Organismen wie der Kormoran gegen "nützliche" wie hier ausnahmsweise der Graureiher aufgerechnet werden, der eine schädlich, weil er ausnahmslos Fische frisst, der andere nützlich, weil er auch Mäuse vertilgt. Es soll auch nicht darum gehen, dass der Kormoran angeblich das "Gleichgewicht in den Gewässern" durcheinander bringt. Ich frage mich allerdings schon, welches Gleichgewicht hier gemeint ist - Gewässersysteme, die einen gewaltigen zahlenmäßigen und Biomasse-Anteil an Organismen mit Migrationshintergrund wie Sonnenbarschen, Rotwangen-Schmuckschildkröten, Amerikanischen Flusskrebsen, Süßwassergarnelen und vielen weiteren mehr aufweisen, sind wohl alles andere als im Gleichgewicht. Schuld daran sind ausnahmslos die Menschen und nicht die Kormorane, die natürlich jede vorhandene Ressource nützen. Ein "lethaler Vergrämungsschuss" wird wohl kaum dazu angetan sein, dass "der Vogel sich dann woanders niederlässt", denn letal ist letal (nicht etwa wie im Englischen und leider im Originalartikel "lethal") - also tödlich. Lazarus - Kormorane kenne ich jedenfalls keine. . .

Claus Wurst, Heilbronn

(aus der Heilbronner Stimme 05.02.2004)


Auf Kriegsfuß mit gefiedertem Vielfraß
Von Rainer Köller

In ganz Deutschland und in Österreich werden immer mehr Stimmen laut gegen den Kormoran. Im Kochertal scheint erstmals seit Jahren die Zahl der gefräßigen Vögel rückläufig. Zufall oder Trendwende? Wilfried Hirschläger, Vorsitzender des Fischereivereins "Petri Heil Gochsen " und der Hegegemeinschaft Kocher, ist sich nicht ganz sicher, was er von den sinkenden Zahlen halten soll.

Bis zum vergangenen Jahr wurden 87 Tiere in seinem Zuständigkeitsgebiet gezählt. Die bislang noch nicht veröffentlichten Zahlen einer Zählung im November ergaben nach Hirschlägers Auskunft zirka ein Drittel weniger der Vögel. Der erfahrene Angler und Heger am Wasser hat allerdings den Eindruck, dass mit zunehmender Kälte wieder mehr Kormorane da sind. " Eigentlich liebe ich diese Vögel, sie sind von einer seltenen Schönheit. " Hirschläger ist auch dagegen, dass die Kormorane gnadenlos bejagt werden und "alle von den Bäumen geholt werden". Allerdings fordert er ein "vernünftiges Management". Artenschutz beginnt für den Kochersteinsfelder im Wasser. Das Gleichgewicht in den Gewässern wird von den Kormoranen allerdings kräftig durcheinander gerüttelt. Der Graureiher, so Wilfried Hirschläger, frisst außer Fischen auch viele Mäuse und anderes Kleingetier in Ufernähe und macht sich auf diese Weise nützlich. Der Kormoran braucht zwischen 400 und 500 Gramm Fisch pro Tag. Das wären am Kocher oberhalb und unterhalb von Hardthausen über 24 Kilogramm täglich, wenn von 60 Vögeln ausgegangen wird. Die Zahl ist jedoch zu niedrig, denn der Fachmann weiß, dass der Kormoran oft nur Fetzen aus den Fischkörpern herausreißt und die Tiere dann jämmerlich verenden. Die tatsächliche Zahl der Fische, die durch den Vogel verenden, kann nur annähernd geschätzt werden. Besonders weh tut den Gochsener Fischern die Tatsache, dass die Kormorane das Biotop zwischen Kochersteinsfeld und Gochsen als neues Jagdgebiet auserkoren haben. Für viel Geld wurde dort den Wasservögeln und den Fischen ein ruhiges Gebiet überlassen, um die Fortpflanzung zu sichern. Dort werden die Tiere mal nicht vom sonstigen Störenfried Mensch gejagt. Dafür kommt jetzt der Kormoran. Wilfried Hirschläger zeigte mehrere Bäume, auf denen meist mehrere der schwarzen Gefiederten hocken. Doch die lassen sich nur aus weiter Entfernung beobachten. Rasch fliegen sie davon, wenn sich ein Mensch nähert. Derzeit ist der Kormoran geschützt. Nur wenn das Landratsamt dies erlaubt, darf er mit so genannten "lethalen Vergrämungsschüssen " vertrieben werden. Das, so Wilfried Hirschläger sei keine Lösung, denn dann lässt sich der Vogel eben woanders nieder. Alle Angler und Fischer hoffen nun, dass die im Mai 2004 auslaufende Kormoran-Verordnung allen Seiten gerecht wird. Auch wenn am Kocher die Zahl der Vögel scheinbar abnahm.

(aus der Heilbronner Stimme 17.01.2004)


Fischbestände vor Kormoranen schützen

In den letzten Jahren ist mit dem Kormoran eine neue Gefahr für den Bestand vieler Fische herangewachsen. Strenge Schutzmaßnahmen und die verbesserte Wassergüte in Neckar, Kocher und Jagst haben zu einer enorm gestiegenen Zahl an Kormoranen geführt, meldet jetzt der Landesfischereiverband in Gundelsheim. An Baden-Württembergs Gewässern überwintern jedes Jahr über 5000 Kormorane, so der Verband weiter. Die Anzahl der Brutpaare habe sich seit 1994 von fünf auf über 260 erhöht und auch die Zahl nicht brütender Übersommerer sei weiter gestiegen. In einer außerordentlichen Bereichsversammlung in Gundelsheim hat Wolfgang Reuther, Präsident des Landesfischereiverbandes Baden-Württemberg, erneut alle Vorstandsmitglieder der Fischereivereine des Unterlandes und Hohenlohe aufgefordert, sich noch intensiver als bisher für den Schutz der Lebewesen unter der Wasseroberfläche einzusetzen. So lange viele Fischbestände durch die Beeinträchtigung ihres angestammten Lebensraumes noch gefährdet seien, halte er eine Steuerung des Kormoranbestandes für unverzichtbar, so Reuther mit Blick auf die Mitte Mai nächsten Jahres auslaufenden Kormoranverordnung der Landratsämter. "Wenn wir nicht sofort Maßnahmen zur Bestandsregulierung des Kormorans einleiten, wird der Eisvogel demnächst an unseren Gewässern keine Nahrung mehr finden", so Bereichsjugendleiters Walter Heidemann aus Mosbach. "Der Artenreichtum des Lebensraums Wasser muss eindeutig mehr Beachtung in der Öffentlichkeit finden." Bereichsleiter Wolfgang Sitter interpretiert das Ergebnis der letzten Kormoranzählung vom 15. November: "Es ist an allen Schlafplätzen im Bereich Unterland-Hohenlohe nur eine unwesentliche Zunahme an Tieren festzustellen, während sich die Anzahl im Naturschutzgebiet " Altneckar Horkheim" explosionsartig um über 500 Prozent von ursprünglich 16 im Januar dieses Jahres auf jetzt 99 ausgewachsene Kormorane erhöht hat". Die Fischer seien derzeit nicht mehr in der Lage, der aus dem Fischereigesetz erwachsenen Hegepflicht gegenüber gefährdeten Fischarten nachzukommen, brachte Rolf Grimm, Leiter des Hegerings Jagst das derzeitige Dilemma auf den Punkt. Die Erfolge der organisierten Fischereivereine beim Schutz der heimischen Fische seien an vielen Stellen durch den Kormoran akut bedroht. Eine konsequente Kormoran-Vergrämung sei zwingend erforderlich. (fsf)

(aus der Heilbronner Stimme 06.12.2003)


Zahlreiche Kormorane an der Jagst gesichtet

Fischer sind besorgt um Artenvielfalt in Baden-Württemberg - Eisvogel, Haubentaucher und Graureiher gehören in das Ökosystem der heimischen Gewässer und sind von den Anglern gern gesehene Indikatoren einer intakten Natur. Auch wenn die Nahrungsgrundlage dieser Vögel in erster Linie von Fisch gebildet wird, stellen die Jagdmethoden dieser Tiere keinerlei Gefährdung des hiesigen Fischbestandes dar. Etwas anders verhält es sich jedoch bei einem gefiederten Gast, der vor zehn Jahren in dieser Region nahezu unbekannt war. Ein Anruf des Kraftwerksbetreuers Heinz Grüb in Möckmühl-Züttlingen alarmierte jetzt den Vorsitzenden des Fischereivereins Neckarsulm und Umgebung Rolf Grimm: "Noch nie habe ich so viele Kormorane in der Jagst fischen gesehen wie jetzt." Aus seinem Küchenfenster hatte Grüb Einsicht in den Kraftwerkskanal. Mehr als 50 der Tauchjäger veranstalteten eine Treibjagd. Seit zwei Wochen suchen nun die Vereine des Landesverbandes für Fischerei und Gewässerschutz Baden-Württemberg nach Möglichkeiten, Bestand und Artenvielfalt in der Jagst zu sichern. "Ich habe Angst um die sich langsam erholende Nasen-Population. Dieser Wanderfisch hat Probleme durch die infolge der vielen Stauwehre verloren gegangenen Laichplätze und ist ein bevorzugter Beutefisch des Kormorans", so der Kommentar des Gewässerbiologen Dr. Berthold Kappus. Ein verstärkter Abschuss der Vögel stellt nach ihrer Ansicht keine Lösung des Problems dar, da es sich vermutlich um durchziehende Tiere handelt. Auch gehört der Kormoran mittlerweile zum Ökosystem der Jagst. Bedenklich ist jedoch seine Entwicklung. Zählte man in Baden-Württemberg 1996 vier Brutpaare, waren es 2001 bereits 240 Gelege.

(aus der Heilbronner Stimme 31.01.2002)


Leserbrief zum Thema "Nur ein ornithologisches Interesse" - Für weniger Jäger
Dr. Wolf-Dieter von Bülow, Presseobmann der Jägervereinigung Heilbronn, Bad Rappenau

Auch Herr Horn pflegt offensichtlich Feindbilder. Dazu gehören in erster Linie die Jäger, denen er bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit die Ausrottung des heimischen Wildes unterstellt (zuletzt war es der Kormoran, davor der Feldhase). Da die Kritik an Jagd und Jägern genauso unqualifiziert wie polemisch ausfällt, erlaube ich mir nun doch einmal eine Richtigstellung: Der Kormoran gehört nicht zum jagdbaren Wild im Sinne des Jagdgesetzes. Jäger haben deshalb nur ein ornithologisches, sicher aber kein jagdliches Interesse am Kormoran. Soweit es zu Abschüssen durch Jäger kommt, stützen diese sich auf die Kormoranverordnung des Landes, die Abschüsse in Einzelfällen zulässt. Ziel des Abschusses ist nicht etwa - wie Herr Horn wohl meint - die Ausrottung des Fischjägers, sondern eine Vergrämung an den Stellen, wo sich ein überhöhter Bestand (die Zahl der Kormorane hat von praktisch null zu Beginn der 60-er Jahre stetig auf rund 7000 in 1997 zugenommen) negativ auf die Fischbestände auswirkt. Die Voraussetzungen sind im Einzelnen nachzuweisen. Die Fischereiforschungsstelle des Landes hat in ihrem jüngsten Erfahrungsbericht deutlich auf die Zusammenhänge zwischen den Vergrämungsmaßnahmen und der Erholung zuvor geschädigter Fischbestände hingewiesen. Wenn überhaupt, übernehmen die Jäger hier also die Funktion eines ökologischen Regulativs im Auftrag der Allgemeinheit. Herrn Horn sei gesagt, dass kein Jäger ein Interesse an der "gnadenlosen" Verfolgung von Wildtieren hat. Die Jäger haben einen eindeutigen gesetzlichen Auftrag zur Hege, aber auch zur Bejagung des Wildes.

(aus der Heilbronner Stimme 02.09.2000)


Der Kormoran am Neckarufer

Seit 1962 zu Gast im Unterland - Durchzügler und Wintergast ist der Kormoran im Unterland. Zum ersten Mal entdeckte der noch heute aktive Ornithologe Horst Furrington vom Nabu Heilbronn im November 1962 in unserer Region einen Kormoran. Am Neckar in Lauffen war's. Zwei Jahre später tauchte bei Neckarsulm ein weiterer Kormoran auf. In den 70er und 80er Jahren wurden immer wieder einzelne Kormorane gesichtet. 1992 waren es erstmals mehr als 100 Exemplare, die gleichzeitig gezählt wurden. Bei den Synchronzählungen 1997 wurde die meisten Kormorane gezählt: 453 Vögel. Seitdem sinkt ihre Zahl. Vor zwei Jahren hielten sich fünf Kormorane während des Sommers am Neckar und am Breitenauer See auf. Der große schwarze Vogel ist in allen Erdteilen außer in Südamerika anzutreffen. Er ernährt sich von Fischen und lebt deshalb am Wasser. In Europa brütet er in den Küstenregionen im Nordwesten und im südeuropäischen Binnenland - also auch bei uns. (vk)

(aus der Heilbronner Stimme 07.08.2000)


Kormorane sind auf dem Rückzug

Nabu erfasst die Vögel - Drei Winterhalbjahre lang haben engagierte Ornithologen die Kormoran-Winterbestände in Stadt- und Landkreis Heilbronn erfasst. Gezählt wurde stets zeitgleich an allen bekannten Schlafplätzen und immer kurz vor Einbruch der Dunkelheit. Jetzt liegt das Ergebnis der Vogelzählung von 1999/2000 vor. Es waren nur noch 156 Kormorane. Als Erstes stellten die Naturschützer die Veränderungen in der Umwelt der Wasservögel fest: Am Neckar wurden Pappeln gefällt. Dadurch änderte sich nicht nur das Landschaftsbild. "Es werden Horst-, Brut- und Schlafbäume beseitigt, die eine wichtige Funktion für die Tierwelt haben", Wolfgang Hellwig vom Nabu ist mit dem Verschwinden der Pappeln nicht einverstanden. Bei den Synchronzählungen im Winterhalbjahr wurden insgesamt 156 Kormorane festgestellt, 1998/99 waren es noch 253 gewesen. Weitaus das höchste Vorkommen war im Neckar-Odenwald-Kreis. Dieser Standort wurde mit berücksichtigt, weil er unmittelbar an der Landkreisgrenze bei Gundelsheim-Böttingen liegt. Die Schlafbäume beim Scillawäldchen in Lauffen wurden bis Dezember 1999 gefällt. Der Schlafplatz ist damit erloschen. Auch auf der Lauffener Vogelinsel wurde ein Teil der Schlafbäume beseitigt. Anhaltende Störungen und ein Hochsitz direkt unter den Schlafbäumen im Naturschutzgebiet "Altneckar Horkheim" haben auch diesen Schlafplatz beeinträchtigt. Am Breitenauer See wurden Kormorane abgeschossen. Der Abschuss war legal - wegen einer Allgemeinverfügung des Landkreises Heilbronn. Keine Schlafplätze gibt es mehr im Kocher- und Jagsttal. Auch an den Stauseen im Zabergäu machen Kormarane bloß Station. Ihre Schlafplätze liegen außerhalb des Untersuchungsgebiets.

(aus der Heilbronner Stimme 07.08.2000)


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