Fischereiverein Heilbronn e.V.

gegründet 1887

A n g e l n  -  E n t s p a n n e n  -  H e g e n  -  S c h ü t z e n  -  P f l e g e n

Information zum KHV-Virus

KHV-Virus: Das Koi-Herpesvirus (KHV-Virus) ist ein für Koi-Karpfen und Nutzkarpfen höchst ansteckendes Virus, welches die Koi-Seuche verursacht. Die Krankheit trat erstmals 1997 in Israel, den USA und Europa bei Koi-Karpfen auf. 1999 konnte das Virus als Krankheitsverursacher isoliert werden. Heute ist sie weltweit verbreitet. Für den Menschen ist das Virus ungefährlich.
Erreger: Das Virus gehört zur Familie der Herpesviren. Eine Besonderheit dieser Viren sind lange Latenzphasen im Körper, in denen die Viren ruhen und keine Krankheitssymptome verursachen. In dieser Phase erscheinen infizierte Fische gesund, können aber andere Fische jederzeit anstecken, da sie das Virus immer wieder ausscheiden können.
Empfängliche Arten: Bei Zierkarpfen (Koi) und Nutzkarpfen (Cyprinus carpio) treten Krankheitssymptome und Verluste auf. Goldfisch, Wels, Schleie, Karausche, Graskarpfen und viele andere karpfenartige Fische (Cypriniden) können das Virus übertragen ohne selbst daran zu erkranken.
Krankheitsverlauf: Die Seuche tritt meist bei Wassertemperaturen über 18°C auf. Eintrittspforte des Virus ist der Darm. Erkrankte Fische scheiden das Virus über die Kiemen aus. Die Inkubationszeit (Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit) liegt zwischen 7 bis 21 Tagen. Sie hängt von der Wassertemperatur ab. Die Erkrankung verläuft seuchenhaft => Verluste bis 100% des Bestandes sind möglich.
Symptome: Teilnahmslosigkeit, Futterverweigerung, Atemnot, eingesunkene Augen, Hautveränderungen (Abschleimen => Haut fühlt sich wie Sandpapier an), Veränderung der Kiemen (Blässe/Rötung, Schwellung, Nekrosen => Gewebe stirbt ab) => Kiemenbluten, Milzschwellung, Veränderung der Nieren
Diagnose: Die Diagnose des Virus erfolgt mittels PCR-Untersuchung (Polymerase Kettenreaktion) in einem geeigneten Labor (Fischgesundheitsdienst). Aufgrund des schwierigen Nachweises in der Latenzphase bedeutet ein negatives Untersuchungsergebnis derzeit jedoch nicht die KHV-Freiheit, sondern nur, dass in den untersuchten Fischen zum Zeitpunkt der Untersuchung das KHV nicht nachgewiesen wurde.

 Hinweise und Merkblätter zum Verhalten am Gewässer

Der Nachweis des KHV-Virus im oberen See der Seeanlage Stein sowie im Neckar zwischen Kochendorf und Neckarzimmern hat unmittelbare Auswirkungen auf die Ausübung der Fischerei an unseren Gewässern. Um eine Verschleppung des KHV-Virus durch Angler in weitere Gewässer (z.B. Kocher, Heilbronner Seen, usw.) zu vermeiden, müssen zukünftig neue Regeln beachtet werden.  Daher weisen wir alle unsere Mitglieder darauf hin, folgendes strikt zu beachten:

  • Seeanlage Stein: der obere See bleibt für die Fischerei bis auf weiteres gesperrt

  • das Angelgerät (Kescher, Angel, Schnur, Stiefel und sonstige Gerätschaften, die mit Wasser in Berührung kommen) sollte nach einem Einsatz im Neckar bzw. an dem unteren See in Stein fachgerecht desinfiziert werden, bevor es an einem anderen Gewässer zum Einsatz kommt.

  • Fachgerecht desinfiziert heißt: Angelgerätschaft (z.B. Kescher, Stiefel) mit einem virentötenden Desinfektionsmittel nach Vorgaben des Mittels (Einwirkzeit, Konzentration, usw.) behandeln und in der Sonne (UV-Licht) vollständig abtrocknen lassen.

  • keine Fische, Muscheln und andere Wassertiere aus dem Neckar bzw. der Seeanlage in andere Gewässer umsetzen => auch keine Köderfische aus dem Neckar oder der Seeanlage an anderen Gewässern zur Fischerei einsetzen

Informationen für Teichwirte zu KHV Merkblatt für Angler zu KHV
Verlauf des KHV-Ausbruches im Neckar im Landkreis Heilbronn
Koi-Herpesvirus-Infektion bei Karpfen im Neckar

Angeln erlaubt - Desinfektion empfohlen: Nachdem bei drei Neckar-Karpfen im Bereich „Mittlerer Neckar" zwischen den Schleusen Kochendorf, Gundelsheim und Neckarzimmern die Koi-Herpesvirus-Infektion (KHV-Infektion) amtlich festgestellt wurde, hat das Landratsamt Heilbronn eine Allgemeinverfügung des Regierungspräsidiums Stuttgart zur Bekämpfung der Fischseuche bekannt gemacht. Betroffen sind nach der Allgemeinverfügung aktuell die Flussabschnitte zwischen der Heilbronner Schleuse und der Schleuse Neckargerach-Guttenbach, aber auch Seen und Teiche, in denen die Fischseuche auftritt.
Danach muss Folgendes beachtet werden: Es darf in den betroffenen Neckarabschnitten geangelt werden, jedoch kein Fisch in ein anderes Gewässer umgesetzt oder als Köder benutzt werden. Gesunde Karpfen können unbedenklich verzehrt, kranke oder verendete Fische müssen auf unschädliche Art beseitigt werden. Angler sollten ihre Stiefel und Ausrüstung desinfizieren.
Der Verdacht oder der Ausbruch der KHV-Infektion in einem Fischbestand muss dem zuständigen Veterinäramt gemeldet werden. Diese Erkrankung der Karpfen ist eine anzeigepflichtige Tierseuche. Sie ist jedoch nicht auf den Menschen übertragbar.
Da es in den letzten Tagen keine Neuerkrankungen mehr gegeben hat, geht der Leiter des Veterinäramtes des Landratsamtes Heilbronn Dr. Martin König davon aus, dass der Höhepunkt der Fischseuche zunächst überstanden ist. Die Anordnungen der Verfügung müssten jedoch unbedingt beachtet werden, um Risiken zu minimieren. Die jetzt erlassene Verfügung gilt für drei Jahre.
Ein Merkblatt für Angler des Fischgesundheitsdienstes Baden-Württemberg findet sich im Internet unter http://cvuas.untersuchungsämter-bw.de/pdf/merkblatt_khv_in_freien_gewaessern.pdf
Fragen zur KHV-Infektion beantwortet das Veterinäramt des Landratsamtes Heilbronn unter der Telefonnummer 07131 994-607.

Land erlässt Verfügung wegen Neckar-Karpfenseuche
(aus der Heilbronner Stimme vom 04.08.2008)

Nachdem bei drei Neckar-Karpfen das gefährliche Koi-Herpes-Virus (KHV) nachgewiesen werden konnte, hat das Regierungspräsidium Stuttgart (RP) eine Allgemeinverfügung zur Bekämpfung der Tierseuche erlassen. Demnach darf zwischen den Schleusen Kochendorf und Neckarzimmern weiter geangelt werden. Die Fische dürfen aber weder lebend noch tot in andere Gewässer – zum Beispiel als Köder – gebracht werden. Angler müssen Kleidung und Gerät nach Gebrauch desinfizieren.
Die Verfügung ist in den amtlichen Bekanntmachungen in der Dienstagsausgabe der Heilbronner Stimme veröffentlicht.
Erster KHV-Fall in einem Fluss in Baden-Württemberg: Damit gibt es keine Zweifel mehr, dass das gefährliche Koi-Herpes-Virus (KHV) Ursache des Karpfensterbens im Neckar ist. An den Neckarschleusen bei Kochendorf, Gundelsheim und Neckarzimmern waren Ende Juli hunderte Kilo Fischkadaver angeschwemmt worden.
Seit vergangener Woche wurden allerdings keine weiteren toten Karpfen im Neckar gefunden. Auch flussabwärts habe man keine Meldungen, die eine Ausbreitung befürchten lassen. „Es ist möglich, dass der Höhepunkt überstanden ist“, sagte der Veterinäramtsleiter des Heilbronner Landratsamts Martin König.
Allerdings könnten überlebende Tiere das Virus in sich tragen. Darum werden Karpfen in den betroffenen Abschnitten wohl so weit wie möglich abgefischt und Neubesatz vorerst nicht zugelassen werden. „Für den Zeitraum von ein bis zwei Jahren ist wohl mit Einschränkungen zu rechnen“, sagt König. Genaueres müssten alle Beteiligten - die Fischereibehörde, der Fischgesundheitsdienst und die Fischereivereine - noch gemeinsam klären.

Herpesvirus im Neckar: Ist das Schlimmste der Karpfenseuche schon überstanden?
aus der Heilbronner Stimme vom 28.07.2008 von Andreas Tschürtz

Heilbronn - Das Stuttgarter Regierungspräsidium hat in einem Fall den Verdacht auf das gefährliche Koi-Herpes-Virus (KHV) als Ursache des Karpfensterbens im Neckar bestätigt. An den Neckarschleusen bei Kochendorf, Gundelsheim und Neckarzimmern wurden in der vergangenen Woche hunderte Kilo Fischkadaver angeschwemmt. Wie das Virus in den Neckar gelangt ist, steht noch nicht fest.
Erster KHV-Fall in einem Fluss in Baden-Württemberg :„Wir haben ein positives Ergebnis. Jetzt muss festgelegt werden, für welche Abschnitte des Neckars der Befund gilt. Das stimmen wir derzeit mit dem Regierungspräsidium (RP) ab“, sagt der Veterinäramtsleiter des Heilbronner Landratsamts Martin König. Er geht davon aus, dass das RP dann eine ähnliche Verfügung für offene Gewässer erlässt, wie es sie im Sommer 2007 bereits für den Zoohandel und die Teichwirtschaft zur Eindämmung der Fischseuche erlassen hat. Demnach dürften keine Fische mehr aus den betroffenen Abschnitten entnommen oder eingesetzt werden.
Schon vor der amtlichen Feststellung der Fischseuche im Neckar empfiehlt das Veterinäramt aber eindringlich:
* Angeln in den betroffenen Abschnitten bis auf weiteres einstellen
* Keine Fische aus dem Neckar entnehmen, sie nicht in andere Gewässer umsetzen oder als Köder verwenden
* Angelgeräte nach dem Einsatz im Neckar möglichst desinfizieren
Keine neuen Funde: Seit drei Tagen gab es laut Veterinäramt keine weiteren Funde toter Karpfen. Auch flussabwärts habe man keine Meldungen, die eine Ausbreitung befürchten lassen. „Es ist möglich, dass der Höhepunkt überstanden ist“, sagt König. Allerdings könnten überlebende Tiere das Virus in sich tragen. Darum werden Karpfen in den betroffenen Abschnitten wohl so weit wie möglich abgefischt und Neubesatz vorerst nicht zugelassen werden. „Für den Zeitraum von ein bis zwei Jahren ist wohl mit Einschränkungen zu rechnen“, sagt König. Das bedeute aber nicht, dass solange nicht geangelt werden darf. Genaueres müssten alle Beteiligten - die Fischereibehörde, der Fischgesundheitsdienst und die Fischereivereine - aber noch gemeinsam klären.
Fälle in der Region schon im Juni: Seit dem ersten bestätigten KHV-Ausbruch in Israel Ende der neunziger Jahre sind weitere Fälle aus den USA, Europa und Asien bekannt. Seit Mai 2007 sind in auch in Deutschland mehrere Ausbrüche von Koi-Herpes-Virus-Infektionen sowohl im Zoofachhandel als auch in gewerblichen Teichwirtschaften festgestellt worden. Im Juni 2008 wurde der Virus in Nutzfischteichen in der Region entdeckt. Im Teich des Heilbronner Fischereivereins in Stein am Kocher verendete nach einem Neubesatz im Frühsommer „etwa die Hälfte des Bestandes“, sagt König. Zeitgleich wurde der Virus beim Fischereiverein Heilbronn-Böckingen in einem Gewässer bei Ellhofen festgestellt.
Die Vereine haben die anzeigenpflichtige Tierseuche den zuständigen Behörden gemeldet. Die Fische stehen nach neuen Angaben des Veterinäramts unter Beobachtung. Anders als zunächst gemeldet, ist die Sanierung der Seen erst für Ende August, Anfang September geplant. Dann werden die Tiere abgefischt, das Wasser abgelassen und der ausgetrocknete See entweder mit Kalk oder durch das UV-Licht der Sonne desinfiziert. Zu einem möglichen Zusammenhang mit dem Neckar sagt König: „Ausschließen kann man einen Zusammenhang nicht. Aber wir haben keine Erkenntnisse, dass es eine Verbindung gibt.“
Hintergrund: Das Herpes-Virus ist ein höchst infektiöses Virus, das eine seuchenhafte Infektionskrankheit der Karpfen verursacht. Die Inkubationszeit liegt zwischen einer Woche und mehreren Monaten. Kommt es zum Ausbruch der Krankheit, sterben in der Regel zwischen 80% und 100% der infizierten Fische in einem Zeitraum von 24 Stunden bis 14 Tagen.

Verordnungen & Allgemeinverfügungen zum KHV
Anordnung RP Stuttgart
(19.07.2007)
Allgemeinverfügung Lkr. HN
(30.07.2008)
Amtliche Bekanntmachungen des Landkreises Heilbronn

Das Landratsamt Heilbronn -Veterinäramt- macht nachfolgende veterinärbehördliche Tierseuchenanordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart öffentlich bekannt:

I. Veterinärbehördliche Tierseuchenanordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart zum Schutz der Fischbestände vor einer Koi - Herpesvirusinfektion (KHV-Infektion) vom 30.07.2008: Az.: 35-9123.90 / 0025

1. Aufgrund eines amtlich festgestellten Ausbruchs einer Koi - Herpes - Virusinfektion (KHV-Infektion) im Flussabschnitt „Mittlerer Neckar" zwischen Wehr Kochendorf und Wehr Gundelsheim (Landkreis Heilbronn) werden folgende Schutzmaßnahmen gemäß § 79 Abs. 4 Tierseuchengesetz in der Fassung vom 22.06.2004 (BGBI. I S. 1260, berichtigt: BGBI. I S.3588) angeordnet:

1.1. Wird in einem Fließgewässer, einem See oder einem Angelteich durch die zuständige Veterinärbehörde eine KHV-Infektion amtlich festgestellt, gilt die behördliche Beobachtung der verdächtigen bzw. erkrankten Fische als angeordnet:
a) für den Gewässerabschnitt zwischen zwei Staustufen sowie den flussaufwärts und den flussabwärts angrenzenden Gewässerabschnitt bis zur jeweiligen nächsten Staustufe,
b) für den See,
c) für den Angelteich bzw. die Teichanlage.

1.2. Aus einem unter behördlicher Beobachtung stehenden Gewässer, Gewässerabschnitt, Angelteich oder einer Teichanlage dürfen keine Fische in ein anderes Gewässer, einen anderen Angelteich oder eine andere Teichwirtschaft umgesetzt werden oder als sogenannte Köderfische verwendet werden. Fische dürfen lediglich zu Speisezwecken oder zum Zwecke der unschädlichen Beseitigung aus dem Gewässer bzw. dem Teich verbracht werden.

1.3. Bei Verdacht oder Ausbruch einer KHV-Infektion in einem Fischbestand eines Gewässers oder eines Angelteiches ist den näheren Anweisungen der zuständigen Veterinärbehörde zur Entnahme und Einsendung von Proben für weiterführende Untersuchungen Folge zu leisten.

1.4. Verendete oder aus Gründen der Seuchenbekämpfung getötete Fische aus einem unter behördlicher Beobachtung stehenden Gewässer, Gewässerabschnitt, Angelteich oder Teichwirtschaft sind durch den Fischereiberechtigen nach näherer Anweisung der zuständigen Behörde unschädlich zu beseitigen bzw. beseitigen zu lassen.

2. Die Verfügung gilt an dem auf die ortsübliche Bekanntmachung folgenden Tag als bekannt gemacht und hat eine vorläufige Gültigkeit für den Zeitraum von drei Jahren.

3. Sofern nicht bereits § 80 Tierseuchengesetz den Wegfall der aufschiebenden Wirkung einer Anfechtung anordnet, wird der Sofortvollzug der übrigen Maßnahmen angeordnet.

II. Rechtsbehelfsbelehrung:
Gegen diesen Bescheid kann innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe beim Verwaltungsgericht Stuttgart, Augustenstraße 5, 70178 Stuttgart, schriftlich oder zur Niederschrift des Urkundsbeamten der Geschäftsstelle des Gerichts Klage erhoben werden.

III. Hinweise:
1. Zuständig für die Durchführung der angeordneten Maßnahmen ist die jeweils örtlich zuständige untere Verwaltungsbehörde, § 1 Abs. 1 S.3 des Gesetzes zur Ausführung des Tierseuchengesetzes.
2. Vorsätzliche oder fahrlässige Zuwiderhandlungen gegen diese Verfügung sind sind Ordnungswidrigkeiten im Sinne von § 76 Abs. 2 Nr. 1a) Tierseuchengesetz und können mit einer Geldbuße bis zu 25.000 Euro geahndet werden.

gez.
Dr. Römer

Die angeführte veterinärbehördliche Tierseuchenanordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart und ihre Begründung kann beim Landratsamt Heilbronn, Veterinäramt, Lerchenstr. 40, Zimmer V3, während der üblichen Dienstzeiten eingesehen werden.

Heilbronn, den 04.08.2008

Landratsamt Heilbronn

Veterinäramt
Dr. König


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