Fischereiverein Heilbronn e.V.

gegründet 1887

A n g e l n  -  E n t s p a n n e n  -  H e g e n  -  S c h ü t z e n  -  P f l e g e n

Der Kocher

Allgemein: Der Name des Kochers ist keltischen Ursprungs und bedeutet so viel wie gekrümmter, in Windungen dahinfließender Fluss. Der Kocher hat ein Einzugsgebiet von etwa 2000km². Er ist 182km lang und überwindet auf seiner Reise von der Quelle bis zur Mündung einen Höhenunterschied von 356,4m. Das durchschnittliche Gefälle beträgt 1-5‰. Bis zu Flusskilometer 149,482 zählt er zu den Gewässern I.Ordnung, untersteht also bezüglich seiner Unterhaltung den Gewässerdirektionen, als obere Wasserbehörden. Der mittlere Niedrigwasserabfluss (MNQ) beträgt im Unterlauf etwa 4,7m³/s, der mittlere Abfluss (MQ) 22,4m³/s und der Abfluss im 100-jährigen Hochwasser 620m³/s (21.12.1993). Der Kocher ist der wasserreichste Fluss des Ostalbkreises. Er entspringt aus zwei Quellen am Fuß der Schwäbischen Alb: Weißer Kocher in Unterkochen, Schwarzer Kocher in Oberkochen. Das Quellwasser ist Regenwasser von der Hochfläche der Schwäbischen Alb, das durch durchlässiges Kalkgestein des Karstgebirges versickert und am Fuß der Alb aus den zwei Quellen wieder ans Tageslicht tritt. Die Quellflüsse vereinigen sich in Unterkochen. Bei Aalen tritt der Kocher ins Albvorland ein, bei Abtsgmünd fließt die Lein aus dem Welzheimer Wald kommend und Adelmannsfelder Rot zu, die aus waldreichen Einzugsgebieten viel Wasser in den Kocher bringen. Geologisch befindet sich der Kocher bis Wasseralfingen in der Juraformation, bis Gaildorf im Keuper und im gesamten Unterlauf im Muschelkalk. Von Wöllstein an schlängelt sich der Kocher unbegradigt durch das Tal und verlässt in Untergröningen den Ostalbkreis. Die Mittelwasserabflüsse (MQ) des Schwarzen Kocher betragen: 690 l/s, die des Weißen Kocher 400 l/s und die des Kochers ab Wöllstein: 8040 l/s.
Zuflüsse: Weitere wichtige Zuflüsse des Kochers von der Quelle bis zur Mündung sind die Untere Rot, mündet kurz vor Gaildorf linksseitig in den Kocher , die Bühler, bei Geislingen rechtsseitig, die Kupfer, bei Sindringen linksseitig, die Ohrn, bei Ohrnberg linksseitig und die Brettach bei Neuenstadt linksseitig. Der Kocher mündet schließlich bei Bad Friedrichshall in den Neckar.
Morphologischer Zustand: Der Kocher ist in seinem Mündungsbereich durch menschliche Eingriffe stark zersplittet worden. So wird ein großer Teil des Kocherwassers kurz nach dem Freizeitgelände Hirschfeldpark bei Oedheim in den künstlich geschaffenen Salinenkanal abgeführt, der einige 100m unterhalb der ursprünglichen Mündung in den Neckar mündet. Die geringe, restliche Wassermenge, die dem eigentlichen Mutterbett noch bleibt, wird in Kochendorf abermals in zwei getrennte Läufe gesplittet, die sich erst kurz vor der Neckarmündung wieder vereinigen. Der gesamte Unterlauf ist stark durch menschliche Eingriffe geprägt. So finden sich auf den ersten 50km bis Künzelsau 13 Querverbauungen, von denen die meisten für Fische und andere aquatische Organismen völlig unpassierbar sind. Bereits die ersten beiden Querbauwerke im Salinenkanal und alten Kocher nahe den Mündungen sind aufgrund fehlender Vorrichtungen völlig unpassierbar für Fische. Die frisch gegründete Hegegemeinschaft Kocher, der auch der FV-Heilbronn angehört, hat sich zum Ziel gesetzt, diese und viele andere Missstände des Kochers zu beheben, so dass er möglichst bald wieder einen guten ökologischen Zustand hat.
Biologische Güte: Der Kocher hat heute beinahe durchgehend die Gewässergüte II, ist also mäßig belastet. Der längste Teil des Kochers zählt zu den sommerwarmen Fliessgewässern, es werden also Wassertemperaturen über 20°C erreicht. Solche Gewässer sind durch jahreszeitlich große Temperatur- und somit auch Sauerstoffgehaltschwankungen gekennzeichnet. Sensible Zeigerorganismen (Bioindikatoren), wie sie in Güteklasse I und I-II vorkommen, vertragen solch große Schwankungen nicht und kommen deshalb dort auch nicht vor. D.h. sommerwarme Gewässer können niemals Güteklasse I oder I-II erreichen, weil die dafür notwendigen Lebensbedingungen der Bioindikatoren nicht gegeben sind. Sie sind deshalb aber nicht schlechter, sondern bilden nur aufgrund anderer Voraussetzungen einen anderen Lebensraum.
Fischbestand:
Schon Max von dem Borne schreibt 1875 - "Der Kocher ist überall ein gutes Fischwasser". Das Oberamt Neckarsulm (1881) und v. d. Borne (1881) berichten im Kocher von heringsartigen Maifischen (Allosa vulgaris), die sich unterhalb des Kocherwehres in Bad Friedrichshall-Kochendorf in solchen Mengen einfanden, "daß sie sich oft förmlich aus dem Wasser herausdrängten, und leicht mit den Händen zu greifen sind". Häufigste Fischart des Kochers damals war die Nase. Heute steht sie auf der Roten Liste und man findet sie im Kocher noch stellenweise in mäßig großer Anzahl. Schuld am Rückgang dieser und vieler anderer Arten sind die Gewässerverschmutzung und die unpassierbaren Querverbauungen, die zum einen ein Erreichen der flussaufwärts gelegenen Laichgebiete unmöglich machen und zum anderen zur Verschlammung der Gewässersohle im aufgestauten Bereich führen, so dass dort die Laichgebiete zerstört werden. Auch das veränderte Strömungsbild des Gewässers durch die vielen Stauwehre führte zu einer Veränderung des Artenspektrums des Kochers, so das die einst überwiegenden rheophilen (strömungsliebend) Arten, teilweise verschwunden sind. In den Abschnitten, wo Aufstauungen nicht zum Tragen kommen, zählt der Kocher aus fischereilicher Sicht zu der Barbenregion, in den Oberwassern von Staubereichen, wo zum Teil Tiefen von mehr als 3m erreicht werden, zeigt er deutliche Charakteristika einer künstlich geschaffenen Brachsenregion. Besonders erwähnenswert ist der sehr große Bestand des Scheiders, der ebenfalls auf der roten Liste geführt wird und ganzjährigen Schutz genießt. Weitere Fischarten sind: Bitterling, Stichling, Elritze, Mühlkoppe, Schmerle, Gründling, Laube, Hasel, Döbel, Barbe, Nase, Brachse, Rotauge, Karpfen, Schleien, Bachforellen, Hecht, Zander und Aal.
Bewirtschaftete Strecke: Der FV-Heilbronn bewirtschaftet den Kocher auf einer Strecke von ca. 13,5km, was in etwa einer Wasserfläche von 42,75ha entspricht. Der unterste Abschnitt des bewirtschafteten Bereichs bis zur Gemarkungsgrenze Hagenbach/Oedheim ist im Durchschnitt ca. 90cm tief. Nur der Bereich um die Gemarkungsgrenze Hagenbach fällt bereits in den Einfluss des Rückstaus (Stauwurzel) des Hagenbacher Wehres und ist folglich etwa 1,2 - 1,7m tief. Die Gewässersohle des gesamten Abschnitts ist abwechselnd steinig-felsig und ein gutes Reproduktionshabitat für so genannte Hartsubstratlaicher wie Nase, Barbe und Hasel. Es herrscht eine schnelle Strömung mit einzelnen Schnellen mit turbulenter Strömung vor. Die Strecke ist ein "Paradies" für Fliegen- und Spinnfischer. Dieses Stück endet an der Fischwassergrenze "Heil" auf Höhe des Musikerheimes ca. 200m unterhalb der Wehranlage Oedheim (Karte). Der nächste Abschnitt folgt ca. 300m oberhalb der Wasserkraftanlage Heil/Oedheim. Er ist durchgehend von größerer Tiefe und träger Strömung geprägt. Hier kommt der Stau des ca. 300m flussabwärts gelegenen E-Werkes Oedheim zum tragen. Abschnittsweise findet man größere Felder mit Wasserpflanzen, wie z.B. Seerosen und ähriges Tausendblatt sowie Bereiche mit ausgeprägten Totholzstrukturen. Entsprechend der gewässerspezifischen Charakteristika dieses Abschnittes - Brachsenregion - findet man vor allem folgende Fischarten: Karpfen, Schleie, Zander, Hecht, Wels, Brachse, Rotauge, Gründling.
Etwa 4km flussaufwärts in etwa auf Höhe des Steinbruchs Stein bei Buchhof (Karte) wechseln sich flache, stark strömende Bereiche mit tieferen Zonen ab. Hier ist die Gewässersohle steinig-kiesig und gut strukturiert. Mehrere Schnellen mit turbulenter Strömung reichern das Wasser mit Sauerstoff an. Das Ufer ist zum größten Teil mit Sträuchern und Bäumen bewachsen. Häufig findet man Weiden, die ins Wasser ragen. Sie bieten vielen Fischen Unterstände und Schutz. Häufig findet man hier rheophile Arten, sowie typische Vertreter der Barbenregion. Das Artenspektrum ist sehr groß. Dieser noch weitestgehend naturnahe Bereich, zieht sich bis zum Wehr in Kochertürn. Auf Höhe Degmarn befindet sich der Messpegel Stein, der von der LfU betrieben wird und dessen Wasserstand man im Internet abrufen kann. Die Restwasserstrecke des Wehres Kochertürn ist aufgrund der reichen Strukturierung und der stark variierenden Strömung eine ideale Kinderstube für viele Fische. Bei einer Bestandserhebung im Oktober 2003 wurden neben Schneider, Bitterling, Schmerle, Groppe, Elritze, Laube, Stichling, Gründling auch juvenile Nasen und Barben nachgewiesen.
Oberhalb des Wehres in Kochertürn, wo das aufgestaute Wasser Tiefen von 3m erreicht, befinden wir uns aus fischereilicher Sicht wieder in der Brachsenregion. Träge Strömung, steinig-schlammiger Untergrund, Büsche und Sträucher, die weit ins Wasser ragen, sowie einige ins Wasser umgestürzte Bäume prägen diesen Abschnitt. Erst ca. 2,5km oberhalb des Wehres findet man wieder die ersten flachen Abschnitte mit turbulenter Strömung. Kurz vor Neuenstadt reichert ein natürlicher Absturz von ca. 40cm das Kocherwasser mit Sauerstoff an. 500m oberhalb mündet linksufrig die Brettach in den Kocher. Bis zur Brücke nach Bürg wechseln hier tiefe und flache Zonen im regelmäßigen Abstand. Der Kocher ist in diesem Bereich sehr abwechslungsreich und gut strukturiert. Von der Brücke Bürg bis zur alten Eisenbahnbrücke in Richtung Gochsen herrscht tieferes Wasser vor. Ab der Eisenbahnbrücke dominieren Flachwasserabschnitte mit starker bis turbulenter Strömung. Kurz vor der Fischwassergrenze zu Gochsen findet sich als echte Rarität eine Insel im Kocher. Die Gewässersohle ist sehr abwechslungsreich und besteht aus steinig-kiesigem Material - ideales Laichgebiet für Hartsubstratlaicher, wie es die meisten rheophilen Arten sind. Hier grenzt unser Fischwasser an das des Sportfischervereins Gochsen.
Der nächste Abschnitt, der vom FV-Heilbronn bewirtschaftet wird, beginnt an der Straßenbrücke kurz nach der Ortsausfahrt Hardthausen/Kochersteinsfeld in Richtung Möglingen. Die gesamte Strecke ist knapp 2 km lang. Tiefere Stellen kommen nur nahe der oberen Grenze vor, ansonsten ist die Strecke kaum tiefer wie 0,75 - 1m . Auch hier handelt es sich um ein sehr abwechslungsreiches, reich strukturiertes Teilstück des Kochers. Flussaufwärts grenzt das Fischwasser an die Strecke des Obersulmer Vereins - Breitenauer See.
Fischerei: Der Kocher ist Bestandteil der Flussfischererlaubnis aktiver Mitglieder des FV-Heilbronn. Das Gewässer darf das ganze Jahr beangelt werden. Weitere Informationen finden Sie in den Fangunterlagen. Gesetzliche Bestimmungen sind zu beachten.
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Bildimpressionen Kocher
   
   
   

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